Wieder einmal „im Feld“ mit Biologin Heidi, am Perlenbach, in der Westeifel bei Monschau. Im Mai und September ist es Zeit, die Nachzuchtstationen für die bedrohte Art Margaritifera Margaritifera – Flussperlmuschel – im Bach zu kontrollieren. Seit es die Bachforelle fast nicht mehr gibt, die Margaritifera Jahrhunderte lang ihre Kiemen als Nest zum Heranwachsen zur Verfügung gestellt hatte, ist M.M. vom Aussterben bedroht. Menschen wie Heidi verhindern das durch naturwissenschaftliches Wissen und herzvolles Kümmern.
Ab und zu darf ich mit – diesmal Lochplatten aus dem Bach holen, im Keller-Labor der alten Höfener Mühle reinigen, kleine Muscheln zählen und messen (keine größer als 1 cm, im zweiten Jahr ihres Lebens)… und das soziale Biotop bestaunen: Heidi umringt von 4 „BuFDi’s“, einer Praktikantin, einem Landschaftspfleger und einer Naturschutzakademie-Lehrerin… und mir. InterSein spüre ich hier intensiv. Wie alles in einem zarten Geflecht, zugleich robust und verletzlich, zusammenwirkt. Wie alles ins Wanken gerät, wenn ein Element schwächelt. Wie alle anderen daran mitwirken, dass dies aufgefangen wird.
Diese Praxis des mich-Befreundens mit einer vom Verschwinden bedrohten Art, zu der ich mich vor 5 Jahren in meiner Verzweiflung über Klimakrise und Artensterben entschloss, ist ein großes Geschenk. Selten habe ich wechselseitige Abhängigkeit und Vergänglichkeit, Schönheit und Fragilität des Lebendigen so hautnah gespürt. Margaritifera ist mir eine Schwester geworden.

