Der 1. September ist in D „Anti-Kriegs-Tag“ – eingerichtet als Antidot und Gegenüber zum „Kriegs-Tag“ 1.9.1939, als die deutsche Armee Polen überfiel und damit endgültig den II. Weltkrieg auslöste. Eine Einladung zum Innehalten für PeacemakerInnen, Frieden-StifterInnen… Sind wir „Anti-Kriegs-StifterInnen“?

Kein Krieg ist zwar nicht unmittelbar Frieden. Doch Krieg muss enden, um Frieden schaffen und erleben zu können. Und mitfühlend gespürt, in Gesprächen erlauscht: Für direkt von einem Krieg Betroffene ist Nicht-Krieg tatsächlich Frieden: einmal wieder ruhig schlafen, sich auf die Straße trauen, einen Sonnenuntergang ansehen, für Gemüse auf einen Markt gehen – das ist so Frieden, auch wenn strukturell noch keine Sicherheit, keine Klarheit erreicht ist, politisch noch kein „Frieden“ geschlossen ist.

Kriege beenden ist das eine – aus der Logik des Krieges aussteigen das andere, tiefer gehende. Dazu ruft medico international in der Kampagne „Ohne uns“ auf, die die Organisation zum Anti-Kriegs-Tag 1.9.2026 startet.

Als dem Frieden dienende Praktizierende und Engagierte wenden wir uns zu allererst vom Krieg ab und von der wieder laut werdenden Meinung, er sei eine Lösung. In NichtWissen sitzen wir mit der Frage, die medico uns – mit Blick auf Russland und die Ukrainie – am Schluss ihres Appells mitgibt: „Wie können dieser Krieg und seine Herrschaft über unsere Gesellschaften, unsere Gedanken und unsere Leben beendet werden?“

Versuchen wir, in die Antwort hinein zu leben (wie Rilke es bei unlösbar scheinenden Fragen empfiehlt). Kontemplativ. Und aktiv: Am 19.9., im Energiefeld des UN-Friedenstages, besuchen wir den Nordfriedhof in Siegburg, wo jüngst in einem historischen Projekt den 109 dort begrabenen russischen und ukrainischen Zwangsarbeitern aus dem 2. Weltkrieg ihre Namen zurückgegeben wurden. Legen wir dort Zeugnis ab von vergangenem und gegenwärtigem Leid.

Krieg? Ohne uns – auch wenn wir unabdingbar allverbunden sind. Frieden? Mit uns, durch uns, in uns.